WEISZEIT Ausgabe No 10
Bernd Wildner - Nun kreuzt er wieder
"Hallo, da bin ich wieder! Nach einem guten Jahr Segelpause geht es weiter. Mein Boot "Mr. Hopper", das immer noch in Trinidad an Land liegt, wartet nur darauf, die große weite Welt zu erkunden.
Aber "Mr. Hopper" muss sich noch etwas gedulden. Denn ich habe einen tollen Job angeboten bekommen: die Überführung einer Segelyacht von Holland nach Barbados.
Bei dieser Yacht handelt es sich um eine zweimastige Ketsch, Typ Trinitella, Baujahr 1980 mit 14,6 m Länge und 4,1 m Breite. Sie trägt den Namen „Blue Arran“ und ist technisch bestens ausgestattet mit Kartenplotter, Autopilot, Navtex-Wetternews, Satellitentelefon, Radar und Luxusartikel wie TV, Kühlschrank und Mikrowelle.
Mitte Juni fliege ich nach Amsterdam und reise weiter zu einem kleinen Hafen in der Nähe von Willemstaad, wo die Segelyacht festgemacht ist. Wieder muss ich mich für lange Zeit von Freunden und Familie verabschieden. Ich habe aber einen "Helfer" und Mitsegler. Er heißt Mario, kommt aus Tschechien, ist 40 Jahre alt und scheint ein netter Kerl zu sein.
Nichtsdestotrotz wird sich die Verständigung mit ihm etwas schwierig gestalten, da er nur tschechisch und ein wenig spanisch spricht – und ich deutsch, englisch und eher portugiesisch als spanisch... Es geht sofort an die Arbeit. Erst müssen wir das Boot genauestens unter die Lupe nehmen.Was fehlt? Funktioniert alles wie es soll? Wo ist der Motor und wie werfen wir ihn an? Wie bringen wir die technischen, für das Segeln wichtigen Geräte zum Laufen?
Die komplette Ausrüstung wird gecheckt: Was muss ich noch besorgen? Was ist gut und was kann ich verbessern? Ein Ölwechsel muss gemacht werden, aber wieviel Öl und vor allem welches? Ich benötige Dinge wie Decken, Taschenlampen und Reiseproviant... alle Hände voll zu tun. Um die „Blue Arran“ kennenzulernen mache ich ein Probesegeln: Die Gewässer sind eng, es sind sehr viele Schiffe unterwegs. Sandbänke beeinträchtigen die Fahrt.
Man hat sie zwar gut markiert, doch vor lauter Bojen sehe ich schon bald den Wind nicht mehr. Außerdem sind wir nur zu zweit: zum Steuern, Kartenlesen, Ausguck halten und Segelbedienen... Der prasselnde Dauerregen raubt uns den letzten Nerv. Alles in allem also: Stress. Unser einziger Vorteil ist, dass es hier so gut wie keine Wellen gibt.
Nach langen Vorbereitungen geht es Mitte Juli los mit Kurs auf die Kanarischen Inseln. Durch eine Schleuse verlassen wir die Binnen-gewässer von Holland und bekommen gleich die ungewohnte Größe des Schiffs zu spüren. Mitten in der Schleuse legt die Yacht sich quer. Vor uns sind bereits mehrere Boote eingefahren – und nun will nach uns auch noch ein Frachtschiff hinein, das uns um gut 5 m überragt.
Also müssen wir uns so schnell wie möglich geradestellen. Doch in der Hektik sitzt nicht jeder Handgriff und wir verbiegen einen Davit (Edelstahlträger zum Hochziehen des Beiboots). Ooops! Das war peinlich. Doch endlich sind wir draußen. Wir setzen die Segel und kreuzen gegen den Wind, dem Ärmelkanal entgegen. Und vorne, in weiter Ferne, liegt Trinidad … Fortsetzung folgt!"
Suche: weiszeit-suchergebnis